Emmabrunnen – Gestern und Heute

So sah der Emmabrunnen nicht immer aus, wie die Geschichte zeigt:

Emmabrunnen 2018, wie wir ihn alle kennen, an einer Schmuddelecke der Tübinger Strasse gelegen.

ca. 1930. Apothekerbrunnen vor der Uhland-Apotheke am Fusse des Weilerbergs. Links die Einzäunung des Apothekergärtle.

Gemeinderatsprotokoll 1932, §175

Die ursprüngliche Lage des Brunnens zeigt ein Foto aus ca. 1930. Damals hieß er noch „Apothekerbrunnen“.

Lt. einem Gemeinderatsprotokoll von 1932 musste dieser Brunnen an der Uhland-Apotheke „verkehrshalber“  verlegt werden.  In diesem zeitlichen Zusammenhang stiftete eine Tierfreundin, deren Name unbekannt bleiben sollte, den neuen Brunnen, der auch für Hunde und Vögel ein Trinkbecken enthält. Der Gemeinderat war erfreut über diese aussergewöhnlich Stiftung und erklärte sich sogar bereit eine etwaige Kostenüberschreitung (Voranschlagsrahmen 150-200 RM) aus der Gemeindekasse zu übernehmen. Der neue Brunnen wurde dann auf der Ostseite des Apothekengärtchen neu gebaut (siehe Foto).

Am 9. Oktober 1932 wurde der Brunnen feierlich eingeweiht. Anlass der Stiftung war der 70. Geburtstag des Württ. Tierschutzvereins. Der Brunnen wurde so gebaut, dass kleinere und größere Tiere daraus trinken konnten.

Bürgermeister Christian Gottlob Fischer.

Aus diesem Grund hat der Brunnen zwei Brunnenschalen mit einen Überlauf am oberen Becken. Der bei der Einweihung anwesende Bürgenmeister Fischer ging in seiner Rede auf die Geschichte des Brunnens ein. Er versprach, den Brunnen „gut zu halten“ und dankte der Stifterin, dem Württ. Tierschutzverein und allen, die bei der Erstellung des Brunnens mitgewirkt haben.

1935. Emmabrunnen in voller Schönheit mit seinen zwei Brunnenschalen und dem Überlauf. Vor dem Abriss 1936 wegen des Baus der Umgehungsstrasse.

 

Interessant bei der Recherche zu diesem Thema ist, dass nie von dem „Emmabrunnen“ die Rede war. Weder in dem Gemeinderatsprotokoll noch in der Zeitschrift des Württ. Tierschutzverein „Der Tierfreund„. In der Ausgabe vom

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November 1932 wird lediglich über die „Einweihung des Tierschutzbrunnes in Waldenbuch“ berichtet, obwohl der Brunnen die Inschrift „19-EMMABRUNNEN-32“ trägt. Wer die so geehrte „Emma“ war, ist nach meinen Recherchen in Waldenbuch nicht bekannt. Spekulationen, es handle sich um den Vornamen der Stifterin, sind meines Erachtens eher unwahrscheinlich, weil dann sicher einige Waldenbucher auch heute noch den Namen kennen würden.

 

Inschrift an der Rampe

Im Zuge des Ausbaus der Umgehungsstrasse 1936 wurden die Uhland Apotheke und der Brunnen abgebrochen. Der Emmabrunnen wurde unterhalb der neu errichteten Rampe an die damaligen Treppe zur Uhlandshöhe verlegt, wo er heute noch steht. Von den Baumassnahmen zeugt eine Inschrift an der Breitseite der Rampe.

 

 

 

1951. Emmabrunnen

Ein Foto von 1951 zeigt den Emmabrunnen in einem traurigen, desolaten Zustand.

Ein undatierter „Entwurf zur Restaurierung des Emma-Brunnens“ des Architekten Ernst Hohenstein (1923-2002) läßt vermuten, dass der Brunnen dann zu einem späteren Zeitpunkt restauriert wurde.

Claudia Barner berichtet in der Filder-Zeitung vom 29. Januar 2011 von geplanten Maßnahmen: „Der Waldenbucher Emmabrunnen fristet seit Jahren ein tristes Dasein. Seine Lage an der Rückfront zur Uhlandshöhe, direkt neben der Ortsdurchfahrt, ist nicht eben attraktiv.“ Der Gemeinderat hat sich für die Restaurierung sowie für die notwendigen Unterhaltsmaßnahmen eingesetzt. Erste Maßnahmen bestanden darin, die Lage der Brunnenstube zu suchen. Schließlich wurden 2012/2013 eine neue Wasserleitung zum Brunnen gelegt  und die Treppe zur Uhlandshöhe abgerissen.

2018. Emmabrunnen

Leider entsprach der Brunnen bereits schon seit seiner Verlegung 1936 nicht mehr dem Willen der Stifterin. Sollte er doch „zum Tränken großer und kleiner Tiere“ geeignet sein. Es ist ein völlig anderer Brunnen geworden. Kleintiere können hier kein Wasser mehr trinken. Obwohl Bürgermeister Fischer damals versprochen hatte, den Emmabrunnen „gut zu halten“. Schon bereits vier Jahre nach seiner Einweihung wurde dem Willen der Stifterin nicht mehr entsprochen. Fischer wurde 1933, ein Jahr nach der Einweihung des Brunnens, von den Nazis zum Rücktritt als Bürgermeister genötigt. Deshalb konnte er seinem Versprechen wohl nicht mehr nachkommen.

Die interessante Geschichte des Emmabrunnens sollte unserem Gemeinderat zu denken geben, um einen neuen attraktiveren Standort zu suchen. Außerdem sollte der Brunnen in seiner ursprünglichen Gestaltung wieder errichtet werden, um so nach Jahrzehnten dem Willen der Stifterin gerecht zu werden.

Benutzte Literatur

Gemeinderatsprotokoll von 1932, §175

Der Tierfreund, November 1932/Nr. 6, S. 111f

Claudia Barner in Filder-Zeitung vom 29.01. 2011

Danksagung

Besonderer Dank geht an Dr. Wolfram Schlenker, der die Geschichte des Tierschutzes in Württemberg erforscht, für seine Unterstützung bei meiner Recherche.

Wolfgang Härtel

im März 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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