Horst Störrle (1968-2000)

32 Jahre Bürgermeister

Bürgermeister Horst Störrle *1936, †2006. Foto: Foto Ceska

Horst Störrle war mit 32 Jahren Amtszeit länger  Bürgermeister der Stadt Waldenbuch gewesen, als jeder seiner Vorgänger. 1968 wurde er zum ersten Mal zum Rathauschef mit großer Mehrheit von 63% der abgegebenen Stimmen gewählt. Sein Vorgänger Ludwig Blümlein war von der Bürgerschaft abgewählt worden. Er übernahm damals eine Stadt, deren Infrastruktur marode bis nicht vorhanden war – es gab keinen städtischen Kindergarten – und deren Stadtväter waren zerstritten.  Störrle rechnete sich im Rückblick auf seine lange Amtszeit an, Waldenbuch „befriedet“ zu haben.

Von Remstalrebell Helmut Palmer, der bei seiner ersten Wiederwahl gegen ihn angetreten war – gerufen von Landwirten, die sich wegen des neuen Sportzentrums auf dem Hasenhof ärgerten, erhielt Störrle das höchste Lob aus Palmers Mund: Störrle sei kein Paragrafenreiter.

1984. v.l. BM Horst Störrle, Karl Waidelich und Erwin Ruck, seine beiden Stellvertreter. Foto: Archiv W. Härtel / Gretel Waidelich.

Dem Gemeinwohl zu dienen, die Stadt Waldenbuch liebenswürdiger und das Leben in ihr lebenswerter zu machen, das waren seine Ziele und Vorstellungen – so sein Nachfolger im Amt, Bürgermeister Michael Lutz, in einem Nachruf. Während seiner Amtszeit ist die Stadt erheblich gewachsen. Waldenbuch hat sich von rund 5000 auf fast 9000 Einwohner vergrößert. Von 1971 bis 2004 hat er als Mitglied der FreienWähler Fraktion im Kreistag die Entwicklung des Landkreises mitbestimmt.

Den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg am Ende seiner Dienstzeit lehnte er mit der Begründung ab, daß jeder verpflichtet sei seine Aufgaben ordentlich zu erfüllen. Dafür bräuchte er kein Verdienstkreuz! Landrat Bernhard Meier bezeichnete Störrle im April 2000, als ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde verlieh, als Paradeschultes.

1995. BM Horst Störrle (rechts) bei der Enthüllung des Gedenksteins anlässlich der Städtepartnerschaft mit Mylau in Sachsen mit Gemeinderäten und BM beider Städte. Archiv W. Härtel / Ingrid Störrle.

Während seine Amtszeit entstanden verschiedene wichtige öffentliche Einrichtungen.  Kindergärten, Hallenbad, Sportstätten und Schulräume sind gebaut worden. Die gelungene Altstadtsanierung und dem Bau der Seniorenwohnanlage „Sonnenhof“ sowie der Planung des Altenpflegeheim „Haus an der Aich“ in direkter Nachbarschaft des Sonnenhofs haben den Stadtkern belebt. Die Verbesserung der Verkehrsverbindungen zu den Gymnasien war ihm ein Anliegen. Die erfolgreiche Städtepartnerschaft mit der sächsischen Stadt Mylau (heute OT von Reichenbach i. Vogtland) war ihm ein Anliegen.

 

Wer war Horst Störrle?

1979. BM Horst Störrle mit Tochter beim Sammeln von Spenden für die Renovierung der Stadtkirche „St. Veith“. Tagesergebnis DM 1.200. Foto: Foto Ceska.

Horst Störrle wurde am 17. September 1936 in Stuttgart geboren und verstarb am 1. Dezember 2006 in Waldenbuch im Alter von 70  Jahren. Verheiratet mit Ingrid Störrle hat er eine Tochter und einen Sohn. Aufgewachsen in Ludwigsburg wo er zur Schule ging und die Mittlere Reife erwarb. Beruflich begann seine Kariere 1953 mit der Ausbildung für den gehobenen Dienst mit einer Lehre beim Verwaltungsaktuariat in Ludwigsburg. Die praktische Kommunalverwaltung lernte er als Gehilfe beim Bürgermeisteramt Merklingen a. W. und beim Landratsamt in Schwäbisch Gmünd kennen. An der staatlichen Verwaltungsschule in Stuttgart legte er die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst ab. 1959 wurde ihm als Stadtinspektor die Stelle des Fachbeamten für Finanzwesen der Stadt Waldenbuch übertragen. In dieser Zeit hat er sich sowohl privat als auch beruflich in Waldenbuch wohlgefühlt.

1971. Fassanstich auf der Ponderosa durch BM Horst Störrle. Foto: Archiv W. Härtel

Da er seine Kenntnisse in einer größeren Stadt erweitern wollte, wechselte er 1963 auf eigenen Wunsch in die Kreistadt Calw als Leiter des städtischen Steueramts und des Liegenschaftsamts sowie als Stellvertreter des Stadtkämmerers. Doch er hatte damals schon die 1968 anstehende Bürgermeisterwahl in Waldenbuch im Auge. Nachdem BM Ludwig Blümlein wiederholt angekündigt hatte, er werde sich selbst im Jahr 1968 nicht mehr zur Bürgermeisterwahl bewerben. 1965 wechselte er – ins Hohenloher Land, dem „Land seiner Väter“ – und wurde Kreisamtmann Leiter des Haupt- und Personalamtsbeim Landratsamt Schwäbisch-Hall.

Nach insgesamt 15 Jahren Erfahrung in der Verwaltung bewarb er sich dann 1968 um das Bürgermeisteramt in Waldenbuch. Neben dem  amtierenden Bürgermeister Blümlein, der doch wieder zur Wahl antrat, war Störrle der einzige Bewerber.

Erinnerungen seiner Ehefrau Ingrid Störrle

1979. Ministerpräsident Lothar Späth (Mitte) und Landrat Dr. Heb (links) zu Besuch in Waldenbuch. Foto: Foto Ceska

„Es waren aufregende, arbeitsame, aber auch schöne Jahre. Horst war mit Leib und Seele Bürgermeister – liebte sein Aufgabe! Als wir 1968 nach Waldenbuch kamen, hatte die Gemeinde keine Wohnung für ihren Bürgermeister. So lebten wir noch ein halbes Jahr getrennt – ich mit den Kindern in Schwäbisch-Hall, er als „möblierter Herr“ bei Familie Glaser Paul Burkhardt auf dem Graben. Horst hatte eine „gute Zeit“ für seine Vorhaben erwischt: Straßen, Schule, Hallenbad, Sporthallen, Feuerwehrhaus, Stadtsanierung, Kindergärten. Die Arbeit ging nie aus. Schade daß er so früh gehen musste! An der staatlichen Verwaltungsschule in Stuttgart, mit alphabetischer Sitzverteilung, war sein Nebensitzer der spätere Ministerpräsident Lothar Späth – ein Jahrgang der viele spätere Bürgermeister hervorbrachte.

Das ich, die Schwester von Fritz Teufel (Bürgerschreck und Mitbegründer der West-Berliner Kommune 1) war, was ihm bei seiner Erst-Bewerbung vorgehalten wurde, hat Horst nicht geschadet. Die beiden hatten einst gerne eine Partie Schach zusammen gespielt!“

 

Ehrengrab von Bürgermeister Horst Störrle auf dem Waldenbucher Steinenberg Friedhof. Foto: W. Härtel

 

Quellen:
Anne Lipp, Andreas Schmauder: Ein Jahrhundert Leben in Waldenbuch, Stuttgart 1996
Ingrid Störrle (Ehefrau von Horst Störrle)
Böblinger Kreiszeitung

 

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