Ludwig Blümlein (1950-1968)

Eine schwere Hypothek übernommen

Bürgermeister Ludwig Blümlein. *1914, †1982. Foto: Archiv W. Härtel/Inge Förstner

Am 14. Dezember 1949, starb der tatkräftige und beliebte Waldenbucher Bürgermeister Reinhold Körber (1918-1949) überraschend im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen einer Leukämieerkrankung. Ein schwerer Verlust für die Waldenbucher in den Nachkriegsjahren. Die vakante Stelle wurde bereits im März 1950 durch die Wahl von Ludwig Blümlein besetzt. Eine nicht einfache Situation für den Neugewählten Schultes, denn die Trauer um Körber saß tief in den Herzen der Menschen.

Die Bürgermeisterwahl am 19.02.1950 brachte zunächst keine Entscheidung. Die beiden aussichtsreichsten Bewerber Ludwig Blümlein und Max Stärk traten zur Stichwahl am 05.03.1950 an, die Blümlein gewinnt.

Foto: Filder-Bote 06. März 1950.

An die Stichwahl knüpft sich folgende Begebenheit: Da der erste Wahlgang noch keine Entscheidung brachte, war zwischen Blümlein und einem Bewerber namens Stärk eine Stichwahl notwendig. Zu dieser Zeit wohnte auf der Mühlhalde in einem kleinen Häuschen ein Waldenbucher Schuhmacher namens Johannes Horrer, im Volksmund Buchtes Hannes genannt. An schönen Sonntagabenden pflegte er von seinem Anwesen aus auf der Trompete allerlei Volkslieder über das Tal hinwegschallen zu lassen. Er versprach der Bevölkerung, den Wahlausgang so rasch als möglich bekanntzugeben. Entweder würde er blasen: Wie die Blümlein draußen zittern, oder: Stärk uns Mittler, Dein sind wir. So kam es, daß es am Abend des 5. März 1950 weithin über das Aichtal hallte: Wie die Blümlein …

ca. 1956. Bürgermeister Blümlein, erste Reihe Mitte, und sein Gemeinderat. Foto Archiv W. Härtel

Daß die Waldenbucher mit der Wahl ihres Bürgermeisters keinen schlechten Griff getan hatten, zeigte sich in den folgenden Jahren.

1956. Einweihung der Oskar-Schwenk-Schule. Foto: Archiv W. Härtel/Inge Förstner

Mit großer Hingebung und viel Verständnis für die Sorgen und Nöte der Einwohner und klarer Erkenntnis der notwendigen Aufgaben leitet er 18 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde. Er wurde zweimal wiedergewählt.

Ihm zu verdanken ist u.a. das neue Wohngebiet „Sonnenhang“ am Steinenberg. Dort in „seiner Siedlung“ baute Blümlein auch sein Haus. Planung und Realisierung der Oskar-Schwenk-Schule auf der Mühlhalde wurden von ihm vorangetrieben.

1961. 30 Jahre DRK Ortsverein. BM Blümlein 1. Reihe Mitte (X). Foto: Archiv W. Härtel/D. Schwarzbach

1968, im Jahr der revoltierenden Achtundsechziger-Generation, unterlag Blümlein dem 21 Jahre jüngeren Herausforderer Horst Störrle.

Wer war Ludwig Blümlein?

ca. 1950. BM Blümlein vor der Rathaustür. Foto: Archiv W. Härtel/Inge Förstner

Ludwig Blümlein wurde am 12. April 1914 in Ludwigsburg geboren und verstarb am 16. Februar 1982 in Waldenbuch. Bevor er 1950 zum Bürgermeister von Waldenbuch gewählt wurde wohnte er in Ebingen Krs. Balingen (heute Albstadt). Für seine 39 Jahre im öffentlichen Dienst wurde er 1968 mit der Ehrenurkunde für 25-jährige Tätigkeit im öffentlichen Dienst ausgezeichnet.

Nach seiner Amtszeit ging er in den Ruhestand und lebte bis zu seinem Tod in seinem Haus in Waldenbuch.

Seine Verbundenheit mit Waldenbuch kommt nicht zuletzt in seinem Gedicht „Mein Waldenbuch“ zum Ausdruck, dass von Rektor Eugen Neun, Musberg, vertont wurde:

 

Im Schönbuch in den Wäldern liegt, gebettet in das Tal,
ein Städtchen lieblich anzusehen, Jahrhundert alt an Zahl.
Mein Waldenbuch, du Heimat mein, dich lieb ich ja so sehr,
daß in dir meine Wiege stand, ist meine höchste Ehr.

Inmitten dieses Städtchens steht ein altes stolzes Schloß,
und drum herum liegt Waldenbuch und ruht in seinem Schoß.
Mein Waldenbuch, du Heimat mein, dich lieb ich ja so sehr,
weil du mir so viel Schönes gabst, mein Elternhaus und mehr.

Wie oft saß ich auf deinen Höhn und blickte in das Tal,
dorthin, wo muntre Bächlein ziehn, gar viere an der Zahl.
Mein Waldenbuch, du Heimat mein, dich lieb ich ja so sehr,
trennt mich auch Land und Meer von dir, stets ich doch wiederkehr.

Wo droben die Kapelle steht, soll finden ich einst Ruh,
o Heimat, dann nimm du mich auf, drück mir die Augen zu.
Mein Waldenbuch, du Heimat mein, dich liebte ich so sehr,
doch einmal muß geschieden sein, dies fällt mir ach so schwer.

Grabmal auf dem Friedhof in Waldenbuch. Foto W. Härtel

Quellen:
Anne Lipp, Andreas Schmauder: Ein Jahrhundert Leben in Waldenbuch, Stuttgart 1996
Richard Reichert: Die Chronik der Stadt Waldenbuch, Waldenbuch 1962
Kreisarchiv Böblingen
Hans-Joachim Ziegler: 600 Jahre Schule in der Stadt Waldenbuch, Waldenbuch 1992

Bilder:
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