Otto Gröber (1938-1945)

Ein im Krieg vermisster Bürgermeister

Otto Gröber war von 1928 bis 1938 Bürgermeister von Neidlingen und in Personalunion seit 1933 auch Bürgermeister von Hepsisau. Er wechselte 1938 nach Waldenbuch und übernahm dort das Amt des Bürgermeisters.

Offenbar war das Verhältnis zwischen Gröber und dem Forstmeister Dieterle vom Württ. Forstamt Waldenbuch nicht das Beste. Seit 1939 durfte gemäß einer Anordnung Nadelrundholz nur noch gegen sog. Einkaufsscheine verkauft werden. So wurde beanstandet, daß Gröber 1941 rd. 10 fm Nadelrundholzmengen „schwarz“, d.h. einkaufsscheinfrei an vier Waldenbucher Bürger abgegeben hatte. Es wurde für alle Beteiligten Strafverfolgung angedroht. Schließlich erhielt Gröber nur „eine erste Verwarnung“ vom Amt.

Wegen des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften während des Zweiten Weltkrieges – arbeitsfähige Männer waren ja zum Kriegsdienst eingezogen – mussten die Lücken durch Kriegsgefangene geschlossen werden. Auch der Stadt Waldenbuch wurden sog. „Zivilarbeiter“ zugewiesen, die in Lagern untergebracht und verpflegt wurden.  So berichtet BM Gröber im Juli 1940 von 30 Kriegsgefangenen, die im Saal des Gasthaus Linde, untergebracht und verpflegt wurden. Nur aufgrund einer mündlichen informellen Zusage mit Forstmeister Dieterle – ohne daß es zum Abschluß eines Vertrags kam – wurden davon 6 Gefangene der Forstverwaltung überlassen, die im Staatswald beschäftigt wurden. Im Streit über die Zuständigkeit der Versorgung ieser Gefangenen – das Forstamt hatte wohl keine Möglichkeit dazu – kam es zur endgültigen Bruch zwischen BM Gröber und Dieterle.

Darüberhinaus wurden dem Bürgermeister Vorhaltungen gemacht er habe unberechtigterweise Reisig weiterverkauft, was ihm als „pflichtwidriges Verhalten“ ausgelegt wurde.

1941 wurde Gröber zur Wehrmacht eingezogen, sodaß er sich kaum mehr um seine Aufgaben als Bürgermeister kümmern konnte. Die Entscheidungsbefugnis in der Stadt lag damals bei Hermann Neff, dem Stellvertreter des Bürgermeisters. In einem Schreiben der Stadt Waldenbuch vom 28. Juni 1945 an den Landrat äußert er die Vermutung, daß sich Gröber in russischer Gefangenschaft befinden könnte, d.h. daß er als kriegsvermißt gelte! Aus diesem Grunde wurde vorgeschlagen den früheren Bürgermeister Gottlob Fischer wieder einzusetzen, was abgeleht wurde.

Quellen:
Anne Lipp, Andreas Schmauder: Ein Jahrhundert Leben in Waldenbuch, Stuttgart 1996.
Kreisarchiv Böblingen.

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