Nachruf auf Prof. Jakob Paul Burkhardt von Stadtpfarrer Richard Essig

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 „Am 31. Januar verstarb Jakob Paul Burkhardt, dessen Leben und Wirken auch in den Tagesblättern unsres Landes gewürdigt wurde. Er gehörte zu denjenigen Waldenbuchern – und ihre Zahl ist nicht ganz gering – die aus kleinen Verhältnissen heraus sich emporgearbeitet haben. Als der älteste Sohn des Bäckermeisters Johannes Burkhardt ist er am 26. Januar 1849 hier geboren. Als 14jähriges Büblein kam er zu Baurat Leinz, dem Erbauer der Stuttgarter Johanneskirche, in die Lehre. Dieser Lehrmeister entdeckte das in dem jungen Menschen schlummernde Talent und ging dem Werdenden hilfreich an die Hand. Im Alter von 20 Jahren erhielt er bereits von seinem Lehrmeister den ehrenvollen Auftrag, die Leitung des Baus der Kirche von Fürfeld bei Heilbronn zu übernehmen. Eine durch ein Stipendium ermöglichte Studienreife nach Italien und Frankreich erweiterte den Gesichtskreis des strebsamen jungen Mannes. Nach seiner auf der Technischen Hochschule zu Stuttgart abgeschlossenen Ausbildung ließ er sich in der Landeshauptstadt als Privatarchitekt nieder und entfaltete bald eine reiche Tätigkeit. Zu manchen städtischen Bauten machte er die Entwürfe und leitete die Ausführung derselben (Jakobschule, Bürgerhospital, Zahnradbahnhof, Landesgewerbemuseum). Er erhielt den ehrenvollen Ruf an die Baugewerkschule in Stuttgart als Professor, und das Vertrauen seiner Mitbürger berief ihn in den Bürgerausschuss und Gemeinderat in Stuttgart.

Nach arbeitsreichem Leben zog er sich mit seiner Gattin Elise Hermine geb. Dünger, mit der er seit 1878 in kinderloser Ehe lebte, im Jahre 1908 in sein Heimatstädtchen zurück und baute an einer der schönsten Stellen unsres Städtchens, dicht am Walde, sich seinen Ruhesitz, wo er noch manche Jahre stiller Freude erleben durfte. Freilich der am 10. Febr. 1923 erfolgte Tod seiner Gattin, schwere Vermögensverluste und zuletzt noch das langsame Versagen seiner körperlichen Kräfte haben dem Entschlafenen die Vergänglichkeit alles Irdischen deutlich vor die Seele gestellt.

Im Spätherbst des vergangenen Jahres dem Heimweg von Weil im Schönbuch, wurde der Entschlafene nahe an seinem Landhaus von einem Schlage getroffen, so daß er sich nur mit großer Mühe vollends heimschleppen konnte. Ein letzter Schlag traf ihn am 31. Januar; er hat seinen 79. Geburtstag nur um 8 Tage überlebt. Am 3. Februar wurde er zur letzten Ruhe gebettet; an seinem Grabe leitete uns das Schriftwort Psalm 119 V. 96: Ich habe alles Dings ein Ende gesehen, aber Dein Gebot währet. Der Entschlafene ruhe in Frieden!“

Stadtpfarrer Richard Essig

Hier das Original des Nachrufs in Frakturschrift.

Essig

Stadtpfarrer Richard Essig

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