Heinrich & August Neff, Maschinenbau

Gründung & Anfangsjahre

Im Jahr 1910 gründeten die beiden Söhne von Paul Magnus Neff (1842-1924) und seiner Frau Therese Katharina, geb. Goehring (1847-1933) in Waldenbuch eine Maschinen- und Mühlenbauwerkstätte.

Sohn Heinrich Neff sen. (1880-1955) und sein Bruder Karl August Neff (1878-1961) ergänzten sich mit ihren Talenten, was für die junge Maschinenbaufirma ein Glücksfall war: Heinrich war der Mechaniker und August der Schreiner (Wagner). Die Firma hieß Heinrich & August Neff mechanische Werkstätte.

ca. 1915. Heinrich und August Neff zu Besuch in einer Getreidemühle in Rom.

 

Das Produktprogramm bestand zunächst aus landwirtschaftlichen Maschinen und Sägereimaschinen.

 

ca. 1917. Die Familien Heinrich & August Neff, sowie Mitarbeiter vor dem Firmengebäude in der Alfred-Ritter-Straße 16

Die mechanische Werkstatt war im Erdgeschoss des Gebäudes. Darüber lagen die Wohnungen der beiden Familien. Die Schreinerei von August Neff befand sich in einem kleinen Gebäude davor. Während des Ersten Weltkrieges mussten für das Vaterland Kartuschen für Granaten gedreht werden.

Ca. 1930. August Neff, Wagner. Mit seinem Einspänner fuhr er immer nach Dettenhausen, wo er ein Sägewerk betrieb.

Bis 1920 gab es in Waldenbuch noch keinen Strom, so dass alle Maschinen über eine Transmission und diese wiederum mittels eines Benzinmotors angetrieben wurde.

ca. 1917. Blick in die mechanische Werkstatt in der Alfred Ritter Straße 16.

Der 1. Weltkrieg bedeutete auch für das junge Unternehmen einen geschäftlichen Einbruch. So musste für Heeresaufträge, dem Herstellen von Kartuschen, Einblick in die Kalkulation gewährt werden. Das bedeutete Arbeit für wenig Lohn!

Produktvielfalt und Generationswechsel

1931 wurde die erste Förderanlage an die Firma Ritter in Waldenbuch geliefert, um Kakaosäcke in den ersten Stock zu befördern.

Förderbänder für Kakaosäcke und für Filderkrautköpfe

Als Abnehmer für die Fördertechnik boten sich auch die in nächster Umgebung liegenden Filderkrautfabriken an. Die dort gesammelten Erfahrungen sollten richtungsweisend für die weitere Entwicklung der Firma werden.

Die Fertigung war zwischenzeitlich in eine neu erbaute Werkstatt verlagert worden. Auch in dieser Werkstatt wurden die Maschinen vor dem Zweiten Weltkrieg mit einer Transmission angetrieben. Diese wurde erst nach dem Krieg nach und nach durch elektrisch angetriebene Maschinen ersetzt.

Werkstatt, Alfred Ritterstraße 20

Während des zweiten Weltkriegs musste sich die Produktion – mangels kriegswichtigen Eisens – auf die Fertigung von Handleiterwagen beschränken. Das dazu notwendige Holz war im nahe gelegenen Schönbuch reichlich vorhanden. Mangels Geld haben die Kunden die Leiterwagen auch im Tausch gegen Naturalien bezahlt.

Solche Handleiterwagen sind in wenigen Exemplaren noch heute in Waldenbuch vorhanden.

Umfirmierung und Übernahme durch Sohn Heinrich Neff jun.

Als einziger Sohn der Brüder absolvierte Heinrich Neff jun., geboren 1911, wie sein Vater eine Mechanikerausbildung und arbeitete im väterlichen Betrieb bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst. Die Kriegsjahre 1941 bis 1945 verbrachte er als Mechaniker in einem Nachrichtenregiment in Berlin. Nachdem August Neff altershalber aus dem Betrieb ausgeschieden war, übernahm Heinrich Neff jun. den väterlichen Betrieb und firmierte nun unter Heinrich Neff Spezialmaschinenbau & Fördertechnik.

Erst mit der Währungsreform 1948 gab es wieder genügend Material, um die Fertigung von Förderanlagen wieder aufzunehmen.

Lastenaufzug für die landwirtschaftlichen Lagerhäuser

Neben der Fördertechnik wurde in den 50er Jahren die Zusammenarbeit mit der Württembergischen landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft – Raiffeisen – e.G.m.b.H. (WLZ) in Stuttgart zu einem weiteren Standbein. Für die WLZ wurden bis 1960 über 500 Lastenaufzüge für die landwirtschaftlichen Lagerhäuser gebaut.

ca. 1960. Beladen eines PANAM Flugzeugs mit Fördertechnik NEFF am Flughafen Echterdingen.

 

Zu Beginn der 60er Jahre rückte die Konservenindustrie als Abnehmer des ersten Durchlauf-Pasteurisators  immer mehr in den Mittelpunkt der Produktion.

Alle Früchte, Gemüse und Gurken, die in Gläsern oder Dosen konserviert sind werden auch heute noch nach diesem Prinzip haltbar gemacht. Sie durchlaufen einen kontinuierlichen Prozess, der aus den Phasen Vorwärmen, Pasteurisieren und Kühlen besteht. Der Drei-Zonen-Durchlauf-Pasteurisator wurde das Erfolgsprodukt der Firma. Es wurden jährlich bis zu 30 Durchlauf-Pasteurisatoren gebaut. Bis auf wenige zugekaufte Teile (z.B. Ketten) wurde alles aufwändig von Hand selbst hergestellt. Das Material wurde gekantet, geschnitten, geschweißt, lackiert, poliert und schließlich montiert.

Drei-Zonen-Durchlauf-Pasteurisator

Die Fördertechnik war die Basis fast aller Spezialmaschinen, die für die Konservenindustrie gefertigt wurden. Sie ermöglichte einen schnellen Durchlauf der Produkte bei den verschiedenen Verfahren der Konserven- und Lebensmittelindustrie.

Die Produkte wurden nach ganz Europa, in die Türkei  und sogar nach Afrika verkauft. Der Exportanteil betrug bis zu 40%. Der Versand erfolgte, solange es möglich war, über die Schiene. Zunächst bis 1956 über den Bahnhof in Waldenbuch, später, nach dessen Stilllegung über den Bahnhof Dettenhausen.

Als letzte Fahrt auf der Siebenmühlentalbahn im Güterverkehr im Jahr 1956 holte diese Dampflok einen Waggon mit einem Transportband der Firma Heinrich Neff Spezialmschinenbau & Fördertechnik, Waldenbuch, ab.

1970. Heinrich Neff (1911-1977) beim 60jährigen Firmenjubiläum.

 

Höhepunkt einer erfolgreichen Firmengeschichte war 1971 das 60jährige Firmenjubiläum, das mit allen Mitarbeitern im Gasthof Linde groß gefeiert wurde. Die Firma hieß nun Heinrich Neff KG.

Heinrich Neff war ein erfolgreicher Unternehmer und vor allem ein leidenschaftlicher ideenreicher Maschinenbauer und schwäbischer Tüftler, für den seine Mitarbeiter und seine Arbeit im Mittelpunkt seines Lebens standen.

 

Expansion und Ende der Firma

Mit Beginn der 1970er Jahre wurde der Platz in den alten Werkshallen zu knapp, um noch wirtschaftlich fertigen zu können.

ca. 1965. Werkstätten mit Bürogebäude in Waldenbuch (Heute Baufachmarkt AUCH)

Deshalb beschloss man, die Betriebsgebäude in Waldenbuch zu veräußern und ein neues Fabrikgebäude in Dettenhausen zu bauen. Im Jahre 1973 wurde die Fertigung in Dettenhausen aufgenommen.

1973. Neubau der Fabrikhalle in Dettenhausen

Nach Fertigstellung des Firmenneubaus kam 1973 leider die Ölkrise und stürzte die Nachkriegswirtschaft in eine schwere Rezession. Besonders die energieintensive Konservenindustrie war von den stark gestiegen Energiepreisen betroffen, was die Investitionsbereitschaft der Kunden stark beeinträchtigte. Eine sich deshalb abschwächende Auftragslage und Kreditzinsen von bis zu 10 % machten die Banken nervös und die Firma Heinrich Neff KG musste deshalb 1976 Insolvenz anmelden.

Die Firma wurde zunächst noch einige Jahre von den Gummiwerken Becker AG übernommen und weitergeführt. Aber der Boom in der Konservenindustrie war vorbei und es war versäumt worden, rechtzeitig ein neues Standbein aufzubauen. Aus diesem Grund wurde die Firma einige Jahre später aufgelöst.

Fotos: Sammlung W. Härtel, Robert Ceska, Sammlung Paul Neff.

Wolfgang Härtel
im Januar 2020

Danksagung

Für das ehrenamtliche Redigieren meines Berichtes bedanke ich mich herzlich bei der Texterin Jeanette Ottmar.

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