Erwin Knödler

Erwin Knödler, erster von links vor der Schokoladenfabrik, ca. 1936

Erwin Knödler, erster von links, mit der Waldenbucher SA vor der Schokoladenfabrik Creuzigerwerke, ca. 1936

Forstmeister Erwin Knödler (*1890 in Stgt. Degerloch, †1962 in Echterdingen) war von 1934-1940 NSDAP Ortsgruppenleiter und damit oberste Partei-Instanz und Autorität in fast allen öffentlichen Bereichen. Kaysersberg beschreibt in seinen Memoiren Erwin Knödler als eine schillernde Persönlichkeit während des Dritten Reiches und in den Folgejahren. Hier seine Zitate:

„Ich bin alter Filderer, und wenn der Feind bis Waldenbuch kommt, dann kommt er eben bis Waldenbuch, aber nicht weiter! Hier ist Schluss, und wenn einer von euch abhauen will, der wird von mir persönlich erschossen: Wir lassen den Führer nicht im Stich. Der da so großmaulich tönte, das  war der Waldenbucher Forstmeister Knödler, ein Nazi wie aus dem Bilderbuch, dick und fett mit einem Mondgesicht und einem Stiernacken mit Wülsten über dem Kragen. Ihm schaute die Dummheit aus den Augen. Jetzt kam der letzte Dreck der Nazibande an die Oberfläche.“

Karikatur von Erwin Kaysersberg

Karikatur von Erwin Kaysersberg

Ort der Handlung: Turnhalle Waldenbuch, Anfang Januar 1945. Anwesend ist eine große Anzahl alter Männer, und von der „mot 8″ungefähr 40 Mann. Grund der Versammlung ist, dass in Waldenbuch der Volkssturm gebildet werden soll. Ich bin als Ausbilder, welche Ehre, mit dabei. Es ging dem Erde zu und so kratzten die Nazis alles zusammen, Krüppel, Kinder und Greise, nur um ihre Herrschaft noch um einige Wochen zu verlängern. Nun kam die Stunde der örtlichen Nazis, nun konnten sie als Volkssturm Krieg spielen. Volkssturmmänner trugen keine Uniformen, da es keine gab. Eine Armbinde sollte sie als Kämpfer, Kombattanten  erkenntlich machen. Nur die Alliierten hielten sich nicht daran und betrachteten Volkssturmmänner als kämpfende  Zivilisten, die nach der Haager Landkriegsordnung als Partisanen erschossen werden konnten. Und wenn schon alle Deutschen Soldaten sind, sagten logisch die Amis, dann können wir alles, was männlich ist, als Kriegsgefangene kassieren, von 18 an aufwärts. Minenräumen mit bloßen Händen ist ja so gesund!“

Dabei war der Krieg doch längst verloren, man wollte es nur nicht wahrhaben und so wurde den alten Männern, alles Weltkrieg I – Teilnehmer, Gewehr und Handgranate erklärt. Ein neunmalkluger Förster, ein 12 Ender, fragte mich hinterlistig, wie man denn eine gestreckte Ladung mache? Warscheinlich hoffte er, dass ich es nicht wusste. Ich wusste es, glaubte aber kaum daß ausgerechnet der Volkssturm gestreckte Ladungen brauchte, da diese zum Knacken von Bunkern benötigt werden. Der Volkssturm entfaltet nun gewaltige Aktivitäten, rund um Waldenbuch wurden Gräben und Löcher ausgehoben, es wurde marschiert und geübt. Doch als der Feind wirklich kam hatte sich der Volkssturm oder wie es auch spaßhaft genannt wurde, der „Volkswurm“ aufgelöst. Er war einfach weg, in Luft aufgelöst.“

„Jahre später wurde ich wieder an den Volkssturm oder vielmehr an den Nazi-Knödler erinnert: Ich angelte gerade an der Aich und auf einmal ertönte hinter mir ein Geschrei, gerade wie in der Turnhalle anno 45. Knödler, es muss 1948 gewesen sein, stand an der Straße neben seinem Auto und wollte meine Fischkarte sehen. Ich hatte sie nicht dabei. Nach einem Jahr Internierung war er wieder in Amt und Würden und stolzierte umher als sei nichts geschehen. Die Naziopfer dagegen moderten schon lange unter der Erde. Im Zuge der Entnazifizierung wurde er sogar aus dem Dienst entfernt doch seine Nachfolger haben ihn nicht vergessen. Ein großer Baum und ein Gedenkstein erinnern an den Lumpen. Aber da man ja auf so einen “ Fachmann“ nicht verzichten konnte bekam er als Ersatz für die ihm zugefügte „Ungerechtigkeit“ einen Posten als Holzschätzer bei der Bodenseewasserlinie, die gerade gebaut wurde. Und so schätzte er, und ich will es mir verkneifen, welche Möglichkeiten in dem Job steckten, um Geld zu machen. Er wurde pensioniert, baute sich in Echterdingen ein schönes Haus und erbrachte einen geruhsamen Lebensabend, ein geachteter Bürger, der Herr Forstmeister a.D. Übrigens, seine Gesinnungsbrüder haben sich an dem „Meister“ gestoßen, das heißt nun“Forstrat „. Demokratisiert.“

Nach 40 Jahren wurde ich nochmals an den Volkssturm erinnert , und zwar erfreulich. Ich machte am westlichen Ortsrand von Waldenbuch Holz auf, so nennt man das, wenn gefällte Stämme transportgerecht bearbeitet werden. An dem Hang, wo ich arbeitete, machte sich ein dicker Stamm plötzlich auf dem Weg nach unten und donnerte mit Getöse zu Tal. Und da er kurz, war blieb er nicht, wie vorher die längeren Brocken, irgendwo hängen, an einem Baum oder Strauch. Ich befürchtete schon, dass er unten ein Auto auf der Straße treffen würde. Das Krachen blieb aus und die Autos fuhren ungehindert weiter. Wo war der Stamm geblieben? Als ich runterstieg sah ich ihn friedlich in einem der Panzerdeckungslöcher liegen, die der Volkssturm gegraben hatte, 5 m über der Straße. Und da ziehe ich so ”unberechtigt” über die Nazis her, die hatten, wie man sieht, auch „ihr Gutes“.“

 

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