Begleitarzt Dr. Dietrich v. Berg – 1941-1945

In seinem Buch *) berichtet Jürgen Joachim Taegert über die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg. Hierfür war jeder Heeresgruppe ab Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion 1941 eine eigene Einheit von Feldeisenbahnern zugewiesen, die für das Funktionieren von Truppen- und Materialtransport, Nachschub und pünktlichem Urlaub verantwortlich war. Diesem wichtigen Maschinenamt, der sog. „FMA 6“ war Dr. med. Dietrich v. Berg als Begleitarzt zugeteilt. Eine Freundschaft verband ihn mit dem Vater des Autors Lutz Tagaert, dem Chef der „FMA 6“ (Sonderführer K und Abteilungsingenieur).

Wie auf einem Basar für Arbeitskräfte: OLGA und NADJA (Bildmitte rechts) mit HOCHBERGER (links) und LUTZ TÄGERT (Bildmitte) in STALINO im Juni 1942, Foto Lutz Tägert.

1942. Mit dem Güterwagen nach Deutschland: NADJA (im dunklen Kleid) mit OLGA und den Feldeisenbahnern TÄGERT, FELLNER und v. BERG. Foto Lutz Tägert.

Gemäß Himmlers „Ostarbeiter-Erlaß“ wurden Menschen zum Arbeitseinsatz ins Reichsgebiet verschickt. Die Zahl der Arbeitenden, die damals allein aus dem Gebiet der Ukraine kamen, wird heute meist mit 2-3 Millionen geschätzt. So wurden im Sommer 1942 auf der „Erfassungsstelle Stalino“, Ukraine, auch die beiden 16-17jährige Mädchen, Nadja Lischina und Olga M. „angeworben“. Sie sollten in deutschen bürgerlichen Privathaushalten mitarbeiten und wurden im Güterwagen nach Deutschland gebracht.

Nadja kam zu Lutz Taegerts Familie.  Olga kam zu v. Bergs Familie als Hausgehilfin um die Ehefrau Friedel v. Berg dabei zu unterstützen, ihre beiden Söhne Eberhard und Dietrich aufzuziehen.

Der Autor berichtet:

„Diese beiden Freundinnen OLGA M. und NADJA LISCHINA aus der Gegend von STALINO empfangen zunächst eine ganz andere Behandlung als offenbar viele andere ihrer Leidensgenossen und -genossinnen damals. Schon ihre Auswahl erfolgt mit persönlicher Zustimmung ihrer Eltern, vergleichbar einem Au-pair-Verhältnis, und sie bleiben auch mit ihren Eltern im steten brieflichen Kontakt, den beide Seiten unterstützten. In Deutschland erwartet die jungen Frauen in den beiden bürgerlichen Familien eine erwartungsvolle Begrüßung und eine respektvolle Behandlung. Sie werden dort zwar streng, aber doch nicht viel anders behandelt, als die eigenen Kinder der Familien. Diese Mädchen nehmen an allem teil, was in der Familie geschieht, wiederum vergleichbar Au-pair-Mädchen, sodass sie sich rückschauend sogar veranlasst sehen könnten, ihr Leben in Deutschland damals wie einen willkommenen Urlaub vom Krieg zu sehen. Man muss allerdings einschränkend feststellen, dass beide in einem Alter sind, wo man sich eigentlich auch gleichaltrige Freunde wünscht und wo man die typischen altersbedingten Konflikte mit Eltern und Autoritäten ausficht, sodass hier auch mögliche Schwierigkeiten vorprogrammiert sind.“

Über das weitere Schicksal der beiden Mädchen ist leider nichts bekannt.

*) Die Kima und ihr Lutz 1909-1945 (II) Die Eisenbahnlogistik für Hitlers Feldzüge des Schreckens und das Los der Kriegskinder, BoD-Books on Demand, Norderstedt, 2016.

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