Alfred E. Ritter (1945 -1946)

Ein Konditormeister wird kommissarischer Bürgermeister

Alfred E. Ritter *1885, †1952, Foto: Archiv Ritter

 

Im Zuge der Entnazifizierung durch die Alliierten wurde Alfred Eugen Ritter von der amerikanischen Besatzung am 14. August 1945 als kommissarischer Bürgermeister in Waldenbuch eingesetzt, da er nachweislich kein Mitglied der NSDAP gewesen war.

In seiner Arbeit wurde er vom Bürgermeister a.D. Gottlob Fischer bis Februar 1946 unterstützt. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Landrat über die Tätigkeit von Fischer sowie aus gesundheitlichen Gründen gab Ritter sein Amt Anfang 1946 wieder ab.

Wer war Alfred E. Ritter?

Im Jahr 1885 geboren. Mit 24 Jahren übernahm der junge Konditormeister in Backnang eine Konditorei. 1912 wurde in Stuttgart-Bad Cannstat die Schokoladen- und Zucker-warenfabrik von Alfred Eugen Ritter und Clara Ritter gegründet. Das Ehepaar betrieb dort zwei Schokoladen-geschäfte mit eigener Fabrikation. Hier wurden die ersten „Ritter”-Schokoladen hergestellt und verkauft.

Im Ersten Weltkrieg diente er von 1916-1918 als Kriegsteilnehmer im Landsturm des 126. Infanterieregiments.

Alfred E. Ritter mit seinem Hund. Foto: Archiv Ritter

Schnell werden die räumlichen Verhältnisse in Bad Cannstatt zu eng und deshalb erfolgte 1930 der Umzug der Firma nach Waldenbuch in die Gebäude der ehemaligen in Konkurs gegangenen Schokoladenfabrik Creuzigerwerke Aktiengesellschaft.

In der Zeit des Nationalsozialismus gibt es Probleme mit der Beschaffung von Kakao und anderen Rohstoffen. Die Regierung legt eine Einfuhrbeschränkung von 75.000 Tonnen fest, das entspricht nur 75% der Einfuhr des Vorjahres. Da Alfred Eugen Ritter nicht bereit war in die NSDAP einzutreten, erhielt die Firma keine Zuteilung für Kakao mehr und weicht auf nicht kakaohaltige Artikel aus: Geleeartikel, Fondant und Erfrischungsstangen wurden hergestellt. Der Kriegsausbruch 1939 hat nicht die unmittelbare Stilllegung der Produktion zur Folge, doch aufgrund der verschärften Rohstoffknappheit und des Kriegsdienstes vieler männlicher Mitarbeiter konnte fortan nur noch in sehr begrenztem Umfang produziert werden.

Wohnhaus Ritter auf dem Betriebsgelände. 1990 wurde es abgerissen. Foto: Archiv W. Härtel

1945 wurde er zum kommissarischen Bürgermeister von Waldenbuch ernannt. Ritter war ein beliebter und geachteter Mitbürger. So ist ihm beispielsweise  maßgeblich die Gründung der neuen Rot-Kreuz-Organisation in Waldenbuch zu verdanken.

Ca. 1960er Jahre. Erntehelfer Alfred E. Ritter. Foto: Archiv W: Härtel

1951 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Waldenbuch für seine Verdienste um die Stadt während dieser schwierigen Umbruchphase nach dem Zweiten Weltkrieg. Ritter verstarb 1952 im Alter von 66 Jahren. Sein Sohn Alfred Otto Ritter übernahm die Leitung des Betriebes bis zu seinem Tod 1978. Heute wird das Unternehmen in der Rechtsform einer KG von Geschäftsführern geführt. Im Beirat, dem obersten Gremium des Unternehmens, sind Alfred. T. Ritter und Marli Hoppe-Ritter, die Kinder von Alfred O. Ritter, tätig.

Quellen:
Anne Lipp, Andreas Schmauder: Ein Jahrhundert Leben in Waldenbuch, Stuttgart 1996.
Website Ritter: www.ritter-sport.de/de/familienunternehmen/geschichte.html
Kreisarchiv Böblingen

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