Der letzte Büttel der Stadt Waldenbuch

Erinnerungen an August Rappold (*1884, †1964)

Die älteren Einwohner Waldenbuchs errinnern sich sicher noch sehr gut an ihn: den letzten Büttel der Stadt Waldenbuch.

August Rappold – Feldschütz und Büttel (Ausscheller) der Stadt Waldenbuch.

Während und nach dem letzten Krieg, als es noch kein Nachrichtenblatt gab, wurde das Neueste von ihm ausgeschellt und ausgerufen. Er ging durch die Straßen und läutete mit seiner Handglocke, Dann gingne die Fenster und Türen auf, die Leute kamen heraus, um das Neueste zu erfahren.

„Notschlachtung“ rief er, „eine Kuh hat einen Nagel geschluckt und musste notgeschlachtet werden. Ab morgen gibt es bei Horrer unter der Mauer Freibankfleisch zu kaufen“. „Ganget und kaufet, des gibt a guts Essa“ fügte er hinzu.

„Viehzählung: Ab nächster Woche kommt der Schmidt-Fritz wieder in die Häuser zur Viehzählung. Nicht nur Großvieh, auch Schweine und Hühner werden gezählt, die Stadt bittet um genaue Angaben.“

„Holzverkauf: Das Forstamt verkauft nächsten Freitag im Gasthaus zum Lamm ab 18.00 Uhr Flächenlose am Kühnerin-Sträßle.“

Am kommenden Donnerstag können die Lebensmittelkarten und die Milchmarken von den Berechtigten auf dem Rathasu abgeholt werden. In diesem Zusammenhang erinnert die Stadt die Lebensmittelgeschäfte an den termingerechten Rücklauf der geklebten Lebensmittelkarten an das Rathaus.“

Er war auch Amtsbote und Feldschütz und rings um Waldenbuch für die Ordnung auf den Feldern zuständig. Herr Rappold war für die Bürgen kompetente und zuverlässige Auskunftsperson, da währen des Krieges vorwiegend Bauernschultes auf dem Rathaus die Geschicke lenkten und nicht regelmäßig im Rathaus anwesend waren.

Jung verheiratet war er nach seinem Dienst in der Reichswehr als Bahnangestellter nach Waldenbuch gekommen und wohnte zuerst im Bahnwärterhaus Burkhardtsmühle. Nach Übernahme in den Dienst der Stadt zog in die Marktstraße, er erwarb das Haus rechts neben dem Schl0ssflügel, der zur Marktstraße reicht.

Er verstarb 1964 im Alter von 80 Jahren.

Margarete Kappeler, Liebenaustr. 1

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