Horst Maahs erzählt vom Hausbau am Ramsberg in den 1950er Jahren

2017, Horst Maahs


Ich wurde 1946 geboren und arbeitete als Maler und Lackierer 12 Jahre bei Maler Gechter in Waldenbuch, anschließend in Weil im Schönbuch bei einem Fahrzeugbauer. Mein Vater hatte mir verboten die Meisterprüfung zu machen:

„…du brauchst nicht auf die Schule, guck daß du ein Geld verdienst, ich muss mein Haus zahlen“.

3. Oktober 1936. Hochzeitsgesellschaft von Erich und Emilie Maahs, geb. Bauer. Im Hintergrund das Haus der Familie Baumann (Sägewerk)


Mit 20 Jahren bin ich zuhause ausgezogen. Mein Vater drohte mir, dass er mich über das Jugendamt wieder zurückholen wollte. Das Verhältnis zu meinem Vater war damals angespannt.

Mein Vater, Erich Maahs (1910-1981) von Beruf Mechaniker, stammt aus Stettin. Meine Mutter, Emilie Maahs, geb. Bauer, (1915-1992) stammt aus Waldenbuch. Sie hatten acht Kinder: Erika, Irmgard, Ella, Karl, Horst, Erwin, Willi und Renate.

Nicht mehr bestehendes Gebäude gegenüber Gasthof Rössle, im Volksmund wegen der Backsteinfassade „Braunes Haus“ genannt.


Geboren wurde ich im „Braunen Haus“ in Waldenbuch, das damals ein Kindergarten war. 1952/53 mussten wir ausziehen. Meine Mutter war Vollwaise und besaß eine große Wiese am Steinenberg. Mein Vater wollte schon seit 1948 dort bauen und holte deshalb Backsteine von den Ruinen aus Stuttgart, die es kostengünstig gab. Mit seinem Kleinlaster „Opel Blitz“, einem Holzvergaser, holte er das

Lastwagen Opel „Blitz“

ca. 1950. Bis 1990 war das Sägewerk in Betrieb.

Baumaterial aus den Trümmern von Stuttgart, die es kostengünstig gab. Meine Geschwister haben die Backsteine dann abputzen müssen. Mein Vater hatte aber keine Baugenehmigung, vom BM Blümlein, dem Gemeinderat sowie dem Bankier Hermann Weinhardt (gen. Bachschneider) wurde das Bauvorhaben abgelehnt. Jedoch bot die Gemeinde ein Grundstück am Ramsberg zum Tausch an sowie zusätzlich DM 4.000,00. Zunächst haben wir noch in einer von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Baracke auf dem Ramsberg (Heute: Ramsbergstrasse 35) neben unseren Grundstück gewohnt. Die Baracke war undicht und kalt. Vom Nachbar Ottmüller hat man Stroh und Heu bekommen, um die Schlitze vor der Kälte zuzustopfen. Dann innen mit Säcken zugenagelt und von außen mit Brettern vom Sägewerk Landenberger vernagelt.

Wir hausten abends in der Baracke unter dem Licht einer Petroleumlampe. Nach zwei Jahren sagte mein Vater damals:

„da lasse ich meine Kinder nicht mehr drin“.

Die beiden Brüder meiner Mutter und ihr Schwager haben auf unserem neuen Grundstück geholfen, das Fundament auszugraben. Mein Vater hat darauf ein Haus gebaut, obwohl sein Antrag auf Baugenehmigung abgewiesen wurde, hat er weiter wild gebaut. Die Gemeinde drohte, das Haus abreißen zu lassen, und mein Vater entgegnete mit den Worten:

„im nächsten Winter sind meine Kinder in dem gemauerten Haus und nicht mehr in der Baracke“.

Von da an wurde das Haus von der Stadt geduldet.

ca. 1960. Erster Bauabschnitt unseres Hauses Ramsbergstrasse 37


Gipser haben dann den Wohnraum verputzt. Die Baracke, die von der Stadt meiner Mutter überlassen wurde, hat dann mein Vater nach Schönaich an die Neuapostolische Kirche verkauft.

1960/61 hat mein Vater einen Erweiterungsbau in Eigenregie erstellt, der von dem Glashütter Architekten Stolzenberg geplant wurde. Er hat so gebaut wie er Geld hatte. Deshalb brauchte er mehrere Jahre.

Die Stallungen für das Kleinvieh wurden ca.1976 abgerissen. Insgesamt hatte das Grundstück ca. 35 ar, bei Hanglage. Wir Kinder haben deshalb immer wieder Erde des Hanges abgegraben, um z.B. wieder einen Schuppen oder Stall anzubauen. Die Gemeinde erteilte die Genehmigung, die abgegrabene Erde im Wald zu deponieren. Es gab auch Bombenlöcher, die mit dem Aushub zugeschüttet wurden.

Vom Baugeschäft Ernst Auch, für das mein Vater immer wieder Baumaschinen repariert hatte, wurde mit einem Kompressor der Hang immer weiter abgegraben. Der Fels und Lehm wurde dann von uns auf dem Bonholz deponiert. Zur Befestigung unseres Hohlweges, der neben unserem Grundstück zum Bonholz verlief, haben wir Steine verwendet, die von den Bauern von den Feldern gesammelt wurden. Horst Maahs erinnert sich:

„Wir hatten sechs Jahre keinen Wasser- und drei Jahre keinen Stromanschluss.“

Das Abwasser wurde in den Graben geleitet. Es gab keine Kanalisation, die kam erst viel später. Wir hatten ein Plumpsklo. Mein Vater hat bei den Amerikanern in der Panzerkaserne Böblingen im Fahrzeugbereich gearbeitet. Dort beschaffte er sich Eisenkübel mit 40 Litern, einem Deckel mit Griff. Immer, wenn der Kübel voll war, wurde er auf den Misthaufen unseres Ackers am Bonholz geschüttet.

Trinkwasser wurde von der Quelle am Fuße des Ramsbergs oder aus dem Neuer Weg Brunnen oder Gaiernbrunnen geholt.

1956. Neuer Weg. Am Brunnen: v.l.:Emilie Ottmüller, Christel Dieterle, Elvira Neubauer, Ernst Kress, Waltraud Schmid.


Wir Kinder haben teilweise 2-3 Mal täglich Wasser holen müssen, im Sommer mit dem Handwagen und im Winter mit dem Schlitten. Später wurde eine Wasserleitung vom Bonholz unter Mithilfe der betroffenen Bürger an den Ramsberg gelegt.

Große Wäsche hat meine Mutter im städtischen Waschhaus/Badehaus gewaschen. Morgens um 7 Uhr auf dem Weg zur Schule haben wir die Wäsche zu unserer Mutter ins Waschhaus gebracht. Es gab dort einen Trockenraum und eine Heißmangel. Geholfen hat uns dabei die Verwalterin des Waschhauses, Frau Schmidthäuser. Abends, wenn die Hausaufgaben erledigt waren, haben meine älteren Geschwister die Wäsche wieder mit dem Leiterwagen nach Hause gebracht. Vom Ami hat mein Vater Zeltplanen mit

2017. Ehemaliges öffentliches Badehaus/Waschhaus in Waldenbuch


nach Hause gebracht, um die Wäsche im Falle, dass es regnet, zuzudecken. Mit dem Wäschewaschen war der ganze Tag wirklich ausgefüllt.

Für kinderreiche Familien erhielt mein Vater von seinem amerikanischen Arbeitgeber Verzehrbons für das amerikanische Depot am Flughafen (Richtung Stetten). Sonntags ging es dann über die Burkhardtsmühle in das Depot, um dort die Verzehrbons in Essen und Trinken einzulösen. Die jüngeren Geschwister wurden mit dem Fahrrad auf dem Gepäckträger mitgenommen. Die Fahrräder wurden dem Berg hoch geschoben. Da war der Sonntag für uns Kinder gelaufen, aber es war schön!


Als wir noch im Braunen Haus gewohnt haben, ist mein Bruder Erwin aus dem Fenster des ersten Stocks gefallen, weil ihm jemand eine Bretzel schenken wollte. Landarzt Dr. med. v. Berg wurde geholt, seine Diagnose zu Erwin war:

„Der Bub hat nichts“.

Der Arzt ging bei uns ein und aus. Es war immer lustig und vor ihm brauchten wir keine Angst haben. Allerdings hatte Erwin nach ca. ein Jahr Probleme mit seinen Augen, weil er sich ja damals den Kopf angeschlagen hatte.


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